Geschichte

1997 haben sich der Regisseur Roger Nydegger, die Produzentin Charlotte Madörin und die Choreografinnen Meret Schlegel und Franzisca Schaub zusammengefunden, um anlässlich des Jubiläums «150 Jahre Bundesstaat» in Zusammenarbeit mit den Zürcher Festspielen und dem Theater der Nationen ein Tanztheater mit älteren Leuten auf die Bühne zu bringen. Uns interessierte, wie der Dialog zwischen den Generationen künstlerisch umgesetzt werden kann, oder was passiert, wenn professionelle Tanz- und Theaterschaffende mit LaiendarstellerInnen ab 60 Jahren ein Tanztheater entwickeln. Wir wollten keine weitere Seniorenbühne sein, sondern etwas Neues schaffen, eben Tanztheater mit alten Menschen für Alle. Es meldeten sich über 150 Menschen zwischen 60 und 82 Jahren, die sich von unserer Ausschreibung «Die Würde des alternden Körpers» angesprochen fühlten.
Die Entwicklung des Stücks «ohn end» wurde für alle Beteiligten sehr intensiv. Die Sprache der Körper, die Ängste, Hoffnungen und Wünsche, die in den Körpern und Bewegungen eingeschrieben waren, sollten «unsere» Geschichten erzählen. Ziel der Aufführung war, eine Brücke zu schlagen zu den Sehnsüchten, Ansprüchen, Wissen und Lüsten unserer alten Menschen und damit eine Verbindung zu schaffen, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Nach der Premiere im Theatersaal Rigiblick im Juni 1998 tourte das Stück durch die ganze Schweiz und Deutschland. Einladungen an renommierte Festivals (u.a. Berner Tanztage, Festival de Nyon) waren keine Seltenheit. Das Tanztheater Dritter Frühling war geboren.
Die Kritiken und Publikumsreaktionen waren voll des Lobes für diese aussergewöhnliche Produktion. Die Rockgruppe Züri West engagierte uns für ihren Videoclip, Kurt Aeschbacher holte uns in seine Sendung «Casa Nostra» und am Internationalen Welt-Altentheaterfestival in Köln zählten wir zu den Highlights. Weitere Einladungen an Internationale Festivals folgten und auch neue Produktionen.
Am 1. April 2000 war Premiere von «Spuren» einer Produktion, in welcher 4 verschiedene bekannte Choreografinnen jeweils ein Kurzstück für diesen Theaterabend entwickelten und mit 30 Tanzenden des Dritten Frühlings realisierten. Roger Nydegger hatte die Gesamtleitung und baute vier junge Breakdancer ins abendfüllende Programm ein. Gefunden hatte er die jungen Profis im Jugenkulturhaus Dynamo, wo auch die Premiere stattfand. Auch diese Produktion stiess auf begeistertes Echo und wurde in der ganzen Schweiz oft gespielt.
Aus dem ersten Kontakt mit den jungen Breakdancern ist die dritte Tanztheater-Produktion «Biografieren» entstanden, welche im Juni 2002 in der Roten Fabrik uraufgeführt wurde und Alt und Jung begeistern konnte.
In «Biografieren» fand nicht nur ein Crossover mit dem Medium Video statt, sondern es wurde auch der Dialog mit der jungen Generation fortgesetzt, der bereits im Stück «Spuren» angetönt war. Dieser Gemeinschaftsproduktion des TT3F mit Video 60+ wurde der Kultur- und Sozialpreis des Frauenvereins der Stadt Zürich sowie ein Preis der Stiftung Kreatives Alter verliehen. Auch diese aufwendige Produktion  ging auf ausgiebige Tournee und war u. a. an der Expo 2002 zu Gast.
Ein weiterer Höhepunkte war die Mitwirkung beim Grossevent «Bad Hotel» im Theaterhaus Gessnerallee im Winter 2002/2003 vermerkt werden, wo die «Alten» des TT3F bestens mit der Crème de la Crème der professionellen freien Tanz- und Theaterszene mithalten konnten.
Weitere mit Profis aus der Tanz- und Theaterszene erarbeitet Stücke wie „Pausenlos“ (Carambole Tanz&Theater 2006), „Zur Zeit“ (Felix Duméril und Nelly Bütikofer 2008) und „Pur&Stur“ (Bettina Holzhausen/Katrin Oettli und Fumi Matsuda/Seraina Dür 2010) hatten seither erfolgreich Premiere und wurden ebenfalls mehrfach als Gastspiele eingeladen.
Das Tanztheater Dritter Frühling hat zudem seit dem Jahr 2005 begonnen, Tanztheaterproduktionen speziell für Altersheime zu entwickeln. Das erste so entwickelte Stück mit dem Titel «Die ganze Welt tanzt» (Leitung Roger Nydegger/Carmen Irmiger/Brigitta Javurek) jongliert spielerisch mit Volkstänzen und modernem Tanztheater. Premiere war im  Tanzhaus Zürich. Es folgten weitere Kreationen wie „Das Geheimnis der Cleopatra“ (Leitung Carambole Tanz&Theater 2009) und das umwerfende Erfolgsstück „Alles Walzer“ (Leitung Bettina Holzhausen/Roger Nydegger/Brigitta Javurek 2011), welches seither über 30 mal gespielt wurde. All diese Stücke stossen auf grosse Resonanz beim Publikum und haben in den vergangenen Jahren unzähligen Menschen in Altersheimen Freude bereitet  und den Alltag erleichtert. Die aktuelle Produktion „Rendez-vous“ (Leitung Sonia Rocha/Oliver Dähler 2013) wird noch bis Ende 2014 gespielt.
Das TT3F bietet zudem seit seinem Bestehen  regelmässig Workshops mit professionellen Tanz- und Theaterschaffenden an, aus denen oft neue Projekte entstehen. Geradezu ein Renner ist unser Montagstraining, welches von jedermann/frau ab 60 besucht werden kann und von erfahrenen Pädagogen im Bereich Tanz und Theater geleitet wird.

Im Oktober 2013 feierte das Tanztheater Dritter Frühling im Gemeinschafts-zentrum Buchegg sein 15-jähriges Bestehen mit einem kleinen Festival, welches grossen Anklang fand und sehr gut besucht war. Das GZ Buchegg (Francoise Blancpain) stellte uns für diesen Anlass  die geeigneten Räume zur Verfügung und unterstützte uns auch sonst tatkräftig.
Herzstück des Festivals bildete die Jubiläumsproduktion „Durchtanzen“, mit welcher das TT3F einmal mehr transdiziplinären Boden betrat, das heisst Film, Tanz, Theater und Raum gingen eine Marriage ein, vermählten sich. „Durchtanzen“ wagt den Blick zurück, ohne die Gegenwart zu vergessen. Wie war das damals vor sechzig Jahren? Wofür steht meine Generation und wofür stand sie ein? Was  war unser Beat, unser Herzschlag? Dominique Margot, Katrin Oettli haben zusammen mit der Tanzpädagogin Barbara Kofler ein vieldeutig, abgründiges, hintergründiges Stück entwickelt. Mit  sieben tanzverrückten, älteren Darstellerinnen. Dieses Stück steht auch 2014 auf dem Spielplan
Neben den eingeladenen- dem TT3F verwandten - Tanztheaterproduktionen wie „Manntanzt“ (Leitung Tina Mantel/Roger Nydegger) und „und sie kehren wieder“ (Leitung Franziska Schaub/Dorothea Kellermüller) wurden mehrere Workshops für das breite Publikum angeboten. Es gab Werkstattaufführungen und es wurden Filme gezeigt. Während der ganzen Zeit war die Geschichten-Installation „Wild und Weise“ im GZ seh- und hörbar eingerichtet, welche mit Geschichten von alten und jungen Menschen gefüttert wurde. Nicht fehlen durfte natürlich die Jubiläumsfeier, an welcher die Band „4Elle“ zum Tanz aufspielte, nachdem einige ehemalige - und auch noch aktive Menschen vom Dritten Frühling von den Anfangszeiten erzählt hatten oder mit kürzeren Auftritten zu begeistern wussten.
Tanzen im Dritten Frühling (ab 60 Jahren), unter diesem Motto startete das Tanztheater Dritter Frühling noch im letzten Jahrhundert seine erste abendfüllende Produktion und hat sich fest im Zürcher Kulturalltag etabliert. Seither sind 15 Jahre vergangen, die Lust am Tanzen ist geblieben und das Tanztheater TT3F steht in der Blüte seiner Pubertät. Auf in den dritten Frühling !!!
Detaillierte Informationen zu Montagstraining, Workshops, Spieldaten und Castings sind auf der Homepage ausgeschrieben und einsehbar !

 

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